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Pressebericht vom Rumänischen Abend

Ein Abend wider die Vorurteile

»Rumänischer Abend« in Kahl ohne Dracula - stattdessen mit Märchenballett, Malereien und Maisbrei Kahl. Auch im Jahr des EU-Beitritts ist Rumänien für die meisten Westeuropäer eine fremde Welt, durchgeistert von Dracula-Schauermärchen, bettelnden Zigeunern und Waisenkindern. Losgelöst von solchen Vorurteilen präsentierte sich das Land am Samstag beim »Rumänischen Abend« in der gut besuchten Kahler Festhalle von einer ganz anderen Seite.

Der Abend lief im Rahmen der gemeindlichen Veranstaltungsreihe »Kultur Extra« - vor einem Jahr hatte an gleicher Stelle ein »Irischer Abend« stattgefunden. Die Idee, das neue EU-Mitglied Rumänien von einer neuen, unbekannten Seite zu zeigen, hatte Martha Jacob, die in Kahl und Maintal Ballettschulen leitet und im siebenbürgischen Brasov/Kronstadt am Fuße der Karpaten geboren ist. Vor Jahren besuchte sie den Park in Tirgu-Jiu, wo sich die drei bekanntesten Monumente des rumänischen Bildhauers Constantin Brancusi befinden, der vor 50 Jahren starb: Der »Tisch des Schweigens«, das »Tor des Kusses« und die »Säule der Unendlichkeit«. Diese Symbole »haben mich so nachhaltig beeindruckt, dass mich die Idee, daraus ein Tanztheaterstück zu schaffen, seitdem nicht mehr losgelassen hat«, sagt Martha Jacob.

Und so wurden die nachgebauten Monumente am Samstagabend umtanzt von Amalia Mindrutiu, Lucian Bacoiu - beide Ballett-Tänzer an der Oper Cluj/Klausenburg - und Martha Jacobs Kahler Ballettschülerinnen. Musik von George Enescu, dem berühmtesten rumänischen Komponisten, und der Sängerin Maria Tanase untermalten den getanzten Reigen von Liebe, Angst, Beklemmung und Hoffnung.

Nichts Bekanntes oder vermeintlich Bekanntes im Hinblick auf Rumänien zeigte auch im Foyer die begleitende Gemälde-Ausstellung von Carmen Brüne-Codrean und das Märchenballett »Flora und Cosmin«. Das einzig Traditionelle an diesem Abend waren die rumänischen Speisen, die im Anschluss an die Tanzaufführungen auf der Menükarte standen: Mamaliga (Maisbrei) und Sarmale (Krautwickel). Die Arbeiten der 1954 in der rumänischen Grenzstadt Arad geborenen Malerin Carmen Brüne-Codrean trugen zwar traditionelle Titel wie »Dorfzauber« oder »Frühling«, überraschten aber durch impulsive, expressive Pinselführung.

Die Programmpunkte des Abends (Moderation: Monika Händler) reihten sich wie eine Kette kleiner Kostbarkeiten aneinander. Auch wenn in diesem Jahr Sibiu/Hermannstadt europäische Kulturhauptstadt ist und die Medien mehr über das Land und seine Kultur berichten, beschränken sich diese Berichte doch meist auf »tourismustaugliche« Kulturgüter wie die sächsischen Kirchenburgen, Volkstanzgruppen oder das Draculaschloss Bran.

In Kahl gab es Außergewöhnliches zu sehen: Zum Beispiel das rumänische Volksmärchen »Flora und Cosmin«, das Martha Jacobs junge Ballettschülerinnen aufführten. In fantasievollen Gewändern flattern und hüpfen kleine Elfen, Schmetterlinge und Marienkäfer über die Bühne. Das Märchenballett erzählt die Geschichte der Elfenprinzessin Flora (Amelie Kern), die sich in den Hirten Cosmin (Birgit Fischer) verliebt, der jedoch »nicht von ihrer Welt« ist. Schließlich fügt sich alles, können die Liebenden zusammenkommen: Solange beide die Pflichten in ihren Heimatwelten erfüllen, können diese Welten sich friedlich und harmonisch miteinander verbinden. Eine bessere Metapher für diesen Abend der Völkerverständigung in der Kahler Festhalle hätte die Initiatorin nicht finden können. Susanne Hasenstab

Die VHS Kahl bietet vom 11. bis 25. Mai 2008 eine Studienreise durch Ungarn, Rumänien und Bulgarien an. In Rumänien werden unter anderem die Städte Sibiu, Mediasch, Sighisoara, Brasov, Tulcea, Iasi und Bukarest besucht.




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